Dass Björn Höcke den seiner Partei gestern vom BVerfG eingeräumten Spielraum zu mehr Hetze als erster ausgelotet hat, musste man heute mitbekommen und überrascht auch nicht. Ich will das hier nicht auch noch mal zitieren und wird ja auch juristisch geklärt.

Einen interessanten Absatz zur Organisation einer solchen AfD-Kulturveranstaltung – so sollten die „Dresdner Gespräche“ vermutlich klingen – will ich mir aber notieren:

Höcke erscheint in Dresden in Begleitung des neurechten Ideologen Götz Kubitschek. Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung hilft bei der Organisation des Saalschutzes und hat für ihr AfD-Idol den turnusmäßigen „Spaziergang“ am Montagabend ausfallen lassen. Jürgen Elsässers rechtes „Compact“-Magazin sichert auf seinem Youtube-Kanal die Live-Übertragung – während anderen Journalisten zum Teil die Akkreditierung verwehrt wird, etwa einem Videoreporter der „Welt“.

In einer Aktuellen Stunde des Bundestages zum Schutz der öffentlichen Sicherheit erklärte de Maizière sinngemäß, dass man im Fall Amri nicht erst die vollständige Aufklärung abwarten dürfe, bevor man die jetzt schon als wichtig erkannten Maßnahmen umsetze. Aufsatteln könne man dann ja später immer noch.

Der Abbau von Sicherheitsgesetzen ist nicht mal mehr eine rhetorische Option.

Obama hat seine Bilanz noch ein wenig aufpoliert und Chelsea Manning begnadigt. Bravo! Julian Assange hatte für den Fall übrigens angekündigt, sich an die USA ausliefern zu lassen. Ich bin gespannt.

Was ich mich frage: Hätte er Snowden – Wille und Mut vorausgesetzt – auch begnadigen oder entlasten können? Denn gegen ihn gibt es ja kein Urteil.

Update: Assange möchte doch in der Botschaft bleiben. Verständlich. Hätte er den Mund nur nicht so voll genommen.

Bored Panda hat einen ganzen Schwung lustiger Tech-Tweets gesammelt. Drei davon muss ich mir hier einkleben.

@cluedont

When the inventor of the USB stick dies they’ll gently lower the coffin, then pull it back up, turn it the other way, then lower it again.

@MatPat

If Internet Explorer is brave enough to ask to be your default browser, you can be brave enough to ask that girl out. 😎 #motivation

@Aaron Fullerton

Before you buy that nice jacket online, ask yourself: „Am I willing to delete one extra email every day for the rest of my life?“

Das BVerfG hat den politischen Arm des Verfassungsschutzes nicht verboten. Die NPD sei zwar verfassungsfeindlich, aber zu unbedeutend um der Demokratie gefährlich zu sein. 

Finde ich nicht gut. Wenn eine Partei verfassungsfeindlich ist, gehört sie meiner Meinung nach unabhängig von ihrem Einfluss verboten. Genau das ist das Kriterium. Und das sah das BverfG beim Verbot der KPD selbst auch noch so:

Eine Partei kann nach dem Gesagten auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein, wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können. 

Dass vor dem Urteil heute Morgen nochmals der Verbotsantrag verlesen wurde, hat den deutschen Qualitätsjournalismus übrigens völlig überfordert:

Das Erste, Phoenix, Spiegel Online, Zeit Online, der RTL-Chefkorrespondent, der MDR, die NZZ, Stern.de – sie alle verschickten falsche Eilmeldungen via Twitter und als Push-Nachricht auf Smartphones, das Bundesverfassungsgericht habe dem NPD-Verbotsantrag stattgegeben.

Kleiner Tipp: Ein Urteil ist das, was nach „Im Namen des Volkes“ kommt. 

Ihr kennt vielleicht die Anekdote, dass die Amerikaner Unsummen für einen Kuli ausgegeben haben, der auch in der Schwerelosigkeit schreibt, während die Russen einfach Bleistifte genommen haben. Daran muss ich denken, wenn ich lese, dass die Chinesen erst jetzt normale Kulis selbst bauen können

[…] also auch das kleine Stahlkügelchen an der Kulispitze. Es muss besonders präzise, rund und aus sehr hartem Stahl gefertigt werden.

Wie bei den Russen sicher nur eine Frage der Prioritäten, aber wer hätte gedacht, dass die beliebten Werbegeschenke ein Stück High-Tech sind. 

Philip Tetlock hat mehr als zwanzig Jahre lang die Vorhersagen von Experten analysiert. Dafür hat er mehr als 82.000 Expterteneinschätzungen zum Eintreten verschiedener Szenarien für die Zukunft gesammelt und mit anderen Vorhersagen verglichen. Das überraschende Ergebnis: die „Experten“ haben keine Ahnung. Und je weniger Ahnung sie haben, desto wahrscheinlicher dürfen sie diese in den Medien verbreiten. Aus dem Lexikon:

Diese Vorhersagen wurden mit der Realität sowie mehreren anderen Vorhersagen von einfachen statistischen Modellen, uninformierten und informierten Laien verglichen. Die Experten schnitten kaum besser ab als informierte Laien und jede Gruppe schnitt schlechter ab als einfach [sic!] Regeln und Modelle. Innerhalb der Experten konnte Tetlock immerhin eine Gruppe von Experten identifizieren, die besser als eine zweite Gruppe von Experten abschnitt: In Anlehnung an Isaiah Berlin waren die Füchse mit ihrem agilen, breiten Wissen den monothematischen Igeln überlegen, wenngleich beide Gruppen einfachen statistischen Modellen unterlagen. Laut Tetlock seien Igel in den Medien jedoch eher gefragt als Füchse.

Zwei Nachrichten aus dem Tierreich: Auch Ameisen nutzen Werkzeuge. Forscher hatten ihnen verschiedene Hilfsmittel zum Transport von Honig und Flüssigkeiten angeboten. Die haben sie ausgetestet und kleine Schwammstückchen für besonders gut befunden. 

Außerdem: Menschenaffen, Delphine und Makaken können die Zuverlässigkeit ihrer Erinnerungen beurteilen

Sie überspringen schwierige Aufgaben in einem Gedächtnistest, sammeln bei Bedarf mehr Informationen, bevor sie eine Aufgabe angehen, oder spielen mit höheren Einsätzen, wenn sie sicher sind, eine Aufgabe richtig lösen zu können.

Gibt es eigentlich auch rechte Kabarettisten? Ich meine damit keine unfreiwillig komischen Politiker und auch keine ansonsten unpolitischen Spaßmacher, denen mal was rausrutscht. Ich denke da eher an einen rechten – nicht unbedingt rechtsextremen – Volker Pispers oder Georg Schramm.

In Nigeria wurden 50.000 Geisterbeamte von den Lohnlisten gestrichen, die zwar als Staatsbedienstete geführt und bezahlt wurden, aber nie zur Arbeit erschienen. 

Präsident Muhammadu Buhari scheint es mit dem Kampf gegen Korruption ernst zu meinen: Whistleblower aus dem Staatsdienst möchte er nicht nur unter besonderen Schutz stellen, sondern sogar belohnen. 

Auch Händler von Luxuslimousinen in der Wirtschaftsmetropole Lagos klagten über einbrechende Umsätze. Schlicht, weil einem Teil der Kunden nun veruntreute Ölgelder fehlen, die sie bis dahin in Luxusartikel investierten.

Nigeria ist der größte Ölexporteur Afrikas, aber 70% der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum. Im Korruptionsindex 2015 von Transparency International belegte das Land Platz 136.