Wirklich eine sehr schöne Analogie, die die BBC da in einem insgesamt lesenswerten Kommentar bildet. A world after Wikileaks:

But what really matters is that the disruptive power of the internet has been conclusively demonstrated, and the old order has been provoked to respond.

This is democracy’s Napster moment, the point at which the forms of governance that have evolved over 200 years of industrial society prove wanting in the face of the network, just as the business models of the recording industry were swept away by the ease with which the internet could transmit perfect digital copies of compressed music files.

(via)

Ein unterstützenswerter Appell von taz, Frankfurter Rundschau, Der Freitag, Tagesspiegel, European Center For Constitutionel and Human Rights (ECCHR) und Perlentaucher.de.

Mitzeichnen kann man hier.

1. Die Angriffe auf Wikileaks sind unangebracht

Die Internet-Veröffentlichungsplattform Wikileaks steht seit der Veröffentlichung der geheimen Botschaftsdepechen der USA unter großem Druck. In den USA werden die Wikileaks-Verantwortlichen als „Terroristen“ bezeichnet, es wird sogar ihr Tod gefordert. Große Internationale Unternehmen wie MasterCard, PayPal und Amazon beenden ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks – ohne dass eine Anklage gegen die Organisation vorliegt, geschweige denn eine Verurteilung. Gleichzeitig wird die technische Infrastruktur von Wikileaks anonym über das Internet attackiert.

Dies sind Angriffe auf ein journalistisches Medium als Reaktion auf seine Veröffentlichungen. Man kann diese Veröffentlichungen mit gutem Grund kritisieren. Aber wir wenden uns gegen jede Form der Zensur durch staatliche oder private Stellen. Wenn Internetunternehmen ihre Marktmacht nutzen, um ein Presseorgan zu behindern, käme das einem Sieg der ökonomischen Mittel über die Demokratie gleich. Diese Angriffe zeigen ein erschreckendes Verständnis von Demokratie, nach dem die Informationsfreiheit nur so lange gilt, wie sie niemandem weh tut.

2. Publikationsfreiheit gilt auch für Wikileaks

Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbriefte Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften. Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen, wie die klassischen Medien. Längst hätte es einen weltweiten Aufschrei gegeben, wenn die USA ein Spionage-Verfahren gegen die New York Times, einen finanziellen Kreuzzug gegen den Spiegel oder einen Angriff auf die Server des Guardian führen würden.

3. Recht auf Kontrolle des Staates

Die Kriminalisierung und Verfolgung von Wikileaks geht über den Einzelfall hinaus. Die Veröffentlichung als vertraulich eingestufter Informationen in solchen Mengen soll verhindert werden. Denn die Menge an Dokumenten liefert der Öffentlichkeit einen weit tieferen Einblick in staatliches Handeln als bisherige Veröffentlichungen in klasssischen Medien.

Der Journalismus hat nicht nur das Recht, sondern die Aufgabe, den Staat zu kontrollieren und über die Mechanismen des Regierungshandelns aufzuklären. Er stellt Öffentlichkeit her. Ohne Öffentlichkeit gibt es keine Demokratie. Der Staat ist kein Selbstzweck und muss eine Konfrontation mit den eigenen Geheimnissen aushalten.

Wir, die Initiatoren und Unterzeichner, fordern, die Verfolgung von Wikileaks, die dem Völkerrecht zuwiderläuft, zu stoppen.

Wir fordern alle Staaten und auch alle Unternehmen auf, sich diesem Feldzug gegen die bürgerlichen Rechte zu widersetzen. Wir fordern alle Bürger, bekannt oder unbekannt, in politischen Positionen oder als Privatpersonen, auf, für die Einstellung der Kampagne gegen die Meinungs- und Informationsfreiheit aktiv zu werden.

Was für ein Winter. Mal wieder. Oder doch nicht? Ein Leser der NachDenkSeiten weist auf eine weitere Spielart der Medienpropaganda hin: Die Umdeutung normaler Winter in Wetterkatastrophen verschleiert die schlechtere technische Ausstattung des Winterdienstes infolge von Privatisierungen und Mittelkürzungen:

Und damals gab es weder auf den Autobahnen noch im Schienenverkehr oder bei der Versorgung entlegener Dörfer mit Strom größere Probleme. Es waren zu diesen Zeiten genügend Räumfahrzeuge einschließlich des sie bedienenden Personals, genug Streuvorräte und ausreichend beheizte Weichenanlagen sowie eine sorgfältig gewartete Strominfrastruktur vorhanden. Die Autobahnen waren, auch bei stärkstem Schneefall, innerhalb weniger Stunden geräumt und Ausfälle im Zugverkehr gab es praktisch keine.

In Schweden sind die Terroristen auch nicht cleverer als bei uns: Denn auch dort scheitern sie offenbar in erster Linie an sich selbst – das aber immer zum rechten Zeitpunkt, um ihren Gegnern einen Gefallen zu tun. Aktuell hat ein Mann in Stockholm zwei Bomben zur Explosion gebracht, deren Opfer er selbst und das von ihm abgestellte Auto waren. Ob das allerdings ausreicht, um von WikiLeaks und Julian Assange abzulenken?

Der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, im Spiegel-Interview:

Zurzeit sei die Lage der FDP fast aussichtslos. „Die Situation, in der wir uns befinden, erinnert mich fatal an die Spätphase der DDR. Die ist irgendwann implodiert. Auf einmal war sie nicht mehr da. Die Führung konnte das bis zum Schluss nicht begreifen. Es kann passieren, dass auch die FDP in sich selbst zusammenfällt.“

35 Stunden pro Minute speichern Nutzer weltweit in Form neuer Videos bei YouTube! Da drängen sich Rechenbeispiele zur Verdeutlichung des Umfangs förmlich auf:

Die Youtube-Nutzer würden im Vergleich zu Hollywood Produktionen 176.000 Hollywood-Filme von Woche zu Woche produzieren. Um die hochgeladenen Youtube Videos von 30 Tagen zu senden, bräuchten drei verschiedene Fernsehsender bei 24 Stunden Sendezeit an 7 Tagen in der Woche und 365 Tagen im Jahr über 60 Jahre Sendezeit.

Und was das hinsichtlich der benötigten Speicherkapazität bedeutet, hat Markus Hündgen mal überschlagen:

Als Videoformat nehmen wir optimistischerweise mp4 (h.264) an mit einer moderaten Bitrate von 1500 KBit/s und klassischer SD-Auflösung. Macht bei einer Minute Material 9 MB an Daten. Macht bei einer Stunde 540 MB. Macht bei 35 Stunden 18,9 Gigabyte. Das heißt: Pro Minute werden 18,9 GB Video hochgeladen. Pro Stunde damit 1,134 Terabyte. Pro YouTube-Tag: 27, 216 TB.

Chaos Computer Club über Wikileaks: „Privatsphäre gibt es nicht für Staaten“

Schweiz: Mehrheit würde Assange Asyl gewähren. Sollte das Interesse an politischen Informationen mit dem Grad an Mitbestimmung zunehmen?

Julian Assange hat uns sicherer gemacht

Britische Forscher planen ein unterirdisches Leitungsnetz, durch das sich jedermann frische Ware nach Hause schicken lassen kann: Das Comeback der Rohrpost

Studie: TV-Nachrichten inszenieren Terrorismus – „Dramatisierung“

Wie man in Schweden einen Mann belasten kann erklärt am Beispiel von WikiLeaks-Aktivist Julian Assange nun auch die Frankfurter Allgemeine. Besonders schön:

Einen neuen Haftbefehl, wieder einschließlich Vergewaltigungsverdachts, erwirkte eine neue Staatsanwältin: Marianne Ny aus Göteborg. Sie hob hervor, dass nach schwedischem Recht Nötigung oder Vergewaltigung in einem minder schweren Fall vorliegen kann, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl fühlt oder sich ausgenutzt vorkommt.

Gibt es in Schweden eigentlich noch eine messbare Geburtenrate?

Also das war ja wohl nix: Da beschließt eine Gruppe von Internetaktivisten, es denen mal so richtig zu zeigen, die WikiLeaks Server kündigen oder Spendenkonten sperren. Und dann machen sie so viel Werbung für z.B. Mastercard, dass vor lauter interessierten Kunden, nicht mal mehr deren Internetseite zu erreichen ist. Was die wieder verdienen, wenn alle endlich ihre Kreditkarten beantragen können…