So stellt sich ein „Experte für Finanztechnologie“ die Zukunft vor:

Banken könnten zum Beispiel einen Zugang zum Facebook-Account ihrer Kunden beantragen, um dort zu prüfen, ob sie über ein stabiles Netzwerk an Freunden und Kontakten verfügen. Dies würde den Geldinstituten einen Hinweis darauf geben, dass das Kreditrisiko geringer ausfällt als im Falle von Nutzern, die ihre Freunde in sozialen Medien häufig wechseln.

Überraschen würde mich das jetzt auch nicht, und Facebook-Verweigerer sind ja ohnehin verdächtig.

Da es Facebook ein Anliegen ist, seinen Nutzern nur besonders relevante Inhalte anzuzeigen, hat man sich schlaue Algorithmen ausgedacht, um solche Inhalte zu identifizieren. Leider macht es das für einige Nutzer wohl zunehmend schwieriger (oder teurer), mit ihren Beiträgen in den Timelines der Nutzer zu landen, die ihnen eigentlich folgen. Klingt doof, aber wenn ich mir ansehe, welche Beiträge Facebook für relevant erachtet, scheint mir das doch ein gut durchdachtes Konzept zu sein:

Da fragt dann zum Beispiel eine Fastfood-Kette “Hey! Zuerst den Burger essen oder zuerst die Pommes? Klickt auf “Gefällt mir”, wenn ihr die Pommes zuerst esst und teilt den Beitrag, wenn ihr den Burger zuerst esst”. Oder es gibt absurde Gewinnspiele der Form “Wer bei diesem Beitrag den letzten Kommentar schreibt, gewinnt ein iPhone!”.

Da springt einen die Relevanz ja förmlich an. Warum lassen sich Facebook-Nutzer sowas gefallen? Ein Mangel an Alternativen? Und hey, deswegen seid ihr jetzt dran! Facebook oder Google+? Klickt auf “Empfehlen”, wenn ihr Facebook besser findet und auf „+1“ wenn Google+ viel cooler ist. Wer sich enthalten will klickt einfach auf „Twittern“. wink

Facebook ist irgendwie der Aufruf zu einer Anti-PRISM-Demo abhanden gekommen. Anders als der Nachtwächter finde ich einen Aufruf via Facebook hier aber nicht ganz so albern. Zum einen sind es ja gerade die Facebook-Opfer, die man erreichen und aufklären muss. Und außerdem kann man eine Löschung von Facebook wie hier dann PR-technisch gut ausnutzen. Wer sich allerdings ausschließlich oder auch nur hauptsächlich auf das Fratzenbuch verlässt, gehört wirklich für seine Blödheit geschlagen.

Jürgen Domian hat Erfahrungen mit dem Hausrecht von Facebook gemacht.

Ihr Lieben, ich bin äußerst verärgert und fassungslos:
Facebook hat meine Beiträge und ebenso eure Kommentare gelöscht.

Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen. Auch mein völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst entspricht nicht den Richtlinien von Facebook (so wurde es mir heute mitgeteilt). Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt.

Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?
Mein Text zum neuen Papst endete (nach ein paar kritischen Fragestellungen) mit den Sätzen:

„Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr.“

So etwas darf man nicht mehr schreiben? Hier schon übt Facebook Zensur aus? Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.

Ich werde in der nächsten Zeit nichts posten, um die Dinge zu klären. Auch um zu vermeiden, dass meine Texte wieder gelöscht werden. Dennoch versuche ich euch auf dem Laufenden zu halten.
Ich bitte euch, diesen Text hier zu teilen. Euer Domian.

Bleibt zu hoffen, dass den Überlegungen auch ein Entschluss folgt und Domian selbst ein Blog hostet. Das wäre konsequent und würde vielleicht den ein oder anderen auch zum Nachdenken bringen.

Oh, die Schmerzen. Die Landesregierung RLP ist jetzt auch bei Facebook, so richtig mit Datenschutz und so:

Das Konzept sieht ein »Rückkanalverbot« vor, wie Wagner im Interview mit unserer Zeitung sagte. »Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden«, sagte Wagner. »Das Ziel ist, dass auf der Seite möglichst wenig Interaktion stattfindet, damit wenige Nutzungsdaten erzeugt werden.«

(via Nachtwächter)

Klickbetrug bei Facebook. Das amerikanische Unternehmen Limited Run will sich von Facebook verabschieden, weil es im Rahmen einer Kampagne für Klicks zahlen sollte, die zu 80% von Bots generiert wurden. Wer für die automatischen Klicks verantwortlich ist, könne man aber nicht sagen.

Dafür gibt das unter seinem alten Namen Limited Pressing bei Facebook registrierte Start-Up aber noch einen zum Besten: Für eine Änderung des Namens verlangte Facebook die Freigabe eines Werbebudgets von mindestens 2.000 Dollar pro Monat.

Update: Auch leere Anzeigen sind bei Facebook erfolgreich.