Die deutlichen Worte des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera zur Gender-Forschung in einem Interview mit dem rbb kommen an der Kasseler Uni nicht nur gut an. Auf das Buch freue ich mich.

Es war von mir nicht korrekt, im humanistischen Pressedienst Anfang dieses Jahres die „Gender-Forschung“ als „Universitäre Pseudowissenschaft“ zu bezeichnen und erst 2016 mit einem Kompakt-Fachbuch die Argumente, Punkt für Punkt ausformuliert und mit Quellen belegt, nachzureichen. Inzwischen habe ich die relevante sozialwissenschaftliche Gender-Literatur durchgearbeitet (bis zur Urquelle „John Money et al. 1955“) und bin entsetzt und verärgert über das, was dort geschrieben steht. Dies ist ein Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken, die Biomedizin als Ganzes sowie unsere naturalistische Wissenschaftstheorie. Nur durch eine umfangreiche Darlegung aller Behauptungen sowie deren Widerlegung kann dieser akademische Wildwuchs, den ich mit dem Kreationismus auf eine Stufe stelle, verbal in die Schranken gewiesen werden.

Aus seiner Stellungnahme zum Interview und den aktuellen Vorgängen an der Uni (PDF).

Zumindest an der TU Berlin dürfen Studenten nicht zum Gendern gezwungen werden. Ein Student hatte mal nachgefragt.

Darauf hin wandte sich Zidek an die Rechtsabteilung der TU-Berlin, die ihm mitteilte, dass es die von der Lehrkraft behauptete Vorgabe der Universität zur Verwendung einer „gendergerechten Sprache“ gar nicht gibt.

Ich befürchte aber, dass anderen Unis da weniger nachlässig waren.

Es gibt wohl nur wenige Fragen zur deutschen Sprache, die bei Belles Lettres – Deutsch für Dichter und Denker nicht beantwortet werden – und ich habe keine Ahnung, wie mir die Seite trotzdem fünf Jahre lang entgehen konnte. Denn einige davon habe ich dem Internet ganz sicher auch schon gestellt.

Vielleicht liegt es daran, dass ich solche Fragen meist im Büro habe, auf der Suche nach einer schnellen Antwort und ohne Zeit für lange Erklärungen der Hintergründe. Und das ist schade, denn gerade die umfangreichen Erläuterungen und Beispiele in den Texten und Video-Podcasts machen das Angebot so wertvoll. Mitunter weiß man am Ende zwar immer noch nicht, was richtig ist – kann dafür aber erklären, warum man es so schreibt, wie man es schreibt. Oder spricht.

Gestoßen bin ich auf die Seite über einen Artikel zu Genus und Gendersprech, den ich bestimmt noch dem einen oder der anderen zur Lektüre empfehlen muss.

Als Geschichtsbild der Gender Studies ergibt sich dies: Obwohl die Frau seit so langer Zeit sprechen kann wie der Mann und seit jeher die Hälfte jeder Popu­lation ausmacht, hat sie jahr­tausende­lang nichts gesagt und ist erst durch die moderne Frauen­bewegung zu Bewusst­sein und Sprache gekommen wie auf dem Planeten der Affen. Wenn sie doch gesprochen hat, durfte sie die Sprache höchstens mit­benutzen und musste so sprechen, wie es ihr der Mann vorgab. An der Entstehung und Entwicklung des Deutschen hatte sie keinen Anteil.

Hahaha, herrlich bigsmile

Die Ideologie ist in ihrer Methode von Anfang bis Ende in einem Maße antiwissenschaftlich und falsch, wie man es heutzutage nicht tolerieren darf.

Boah, ich bekomme ja schon bei „normal“ gegenderten – oder entgenderten? – Texten einen zuviel. Aber das, was Fefe da ausgegraben hat, das setzt ganz neue Maßstäbe. Inhaltlich wie stilistisch:

Was wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit „W“ und „S“ beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind.

Und ja, die Sternchen, x-e und Unterstriche gehören zum Gesamtkunstwerk!

In Berlin-Kreuzberg soll sexistische Werbung künftig verboten werden:

In der Begründung heißt es, dass in Zukunft Werbung nur noch legal sein darf, wenn sie den politischen „Idealen eines emanzipierten, bewussten und nachhaltigen Lebens“ entspricht. Dass Werbung auf politische Ideen verpflichtet wird – so was gibt es bisher höchstens in Nordkorea. Die Formulierung „unangemessene Darstellung von Körpern“ dagegen könnten sie aus dem Programm der Taliban übernommen haben.

Das britische Verteidigungsministerium zahlt drei Frauen Entschädigungen in Höhe von jeweils 100.000 Pfund für Schäden am Becken und Rücken

weil sie bei Exerzier- und Marschierübungen wochenlang versuchten, mit der von der durchschnittlich deutlich größeren männlichen Mehrheit vorgegebenen Schrittlänge mitzuhalten.

Die maximal von Rekrutinnen zu fordernde Schrittlänge ist auf der Insel nämlich genau geregelt – knapp 70 Zentimeter. Gibt es solche Regelungen bei uns eigentlich auch? Und wie verhält sich das mit unterdurchschnittlich großen Männern?

Großartiger Artikel zum Thema Genitalverstümmelung: Das weibliche Geschlecht ist sakrosankt, das männliche disponibel.

Das, was eine Frau körperlich ausmacht, ist unantastbar. Aber das, was einen Mann körperlich ausmacht, darf zurechtgeschnitten werden. Das weibliche Geschlecht ist sakrosankt, das männliche disponibel. Juristisch ist Paragraf 226a nicht so schlimm; ihn wird das Bundesverfassungsgericht kassieren. Allerdings müssen wir überlegen, wie viele Botschaften dieser Art wir Männern und Jungen noch zumuten möchten.

Sehr lesenswerter Beitrag zur Entgenderung der Sprache, anlässlich der jüngsten Änderungen am Text der StVO: Wer zu Fuß geht – Feministische Sprachmagie. Spannenderweise gibt es Sprachen, die gar kein Genus-System haben und unsere Probleme damit folglich nicht kennen. Gewissermaßen sprachliche Biotope femininer Freiheit und Emanzipation:

Armenisch (Armenien), Assamesisch (Bangladesch), Georgisch (Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Griechenland, Iran, Russland, Türkei), Persisch (Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Bahrain, Irak), Zentral- und Südkurdisch (Iran, Irak), Malaiisch (Indonesien)

Ein Aufruf zur Gelassenheit im aktuellen Brüderle-Sexismus-Aufschrei:

Auch nach weiteren 100 Jahren Feminismus werden die Männer nicht in der Lage sein, Gedanken zu lesen. Werden sie uns Frauen falsch verstehen, falsch behandeln und falsch ansprechen. Selbst wenn sie es gut meinen. Weil wir unterschiedlich sind, unterschiedlich denken, unterschiedliche Erwartungen haben.

(Danke, Dirk)