Daimler will seine rund 280.000 Mitarbeiter alle drei Monate mit den Terrorlisten von USA und EU abgleichen.

Sollte ein Daimler-Mitarbeiter auf den Sanktionslisten auftauchen, ist dieser laut Betriebsvereinbarung „freizustellen, das Entgelt wird nicht ausbezahlt, und alle weiteren Leistungen sind zurückzuhalten“

Ein guter Ansatz, auch wenn da viel Potential ungenutzt bleibt. Was ist zum Beispiel mit den Babys auf den Terrorlisten? Ist es zu verantworten, Menschen zu beschäftigen, die die kommende Terroristengeneration aufziehen? Generell gehört auch das Umfeld der Mitarbeiter besser ausgeleuchtet, finde ich. Sicherheit geht vor. (Danke, Volker)

Update: Die Briten haben den Ernst der Lage erkannt. Dort sollen jetzt schon Kindergärtnerinnen terrorverdächtige Babys melden.

Vielleicht ist die britische Pornwall doch nicht so übel, wie gedacht. Immerhin werden neben allerhand Beifang auch ein paar wirklich jugendgefährdende Inhalte geblockt:

So filtern die Briten gleich ihr ganzes Parlament weg – ausgerechnet Guy Fawkes hätte das wohl gefallen. Warum Fawkes seinerzeit das Parlament sprengen wollte, könnte man in der Britischen Bibliothek nachlesen – falls man bereits erwachsen ist. Die Kindlein können sich allerdings auch nicht über die Motive der britischen „Zensursula“ Claire Perry informieren, die sich ebenfalls ausgeschlossen hat. Nutzern außerhalb der Insel werden die unerwünschten Einflüsse jedoch weiterhin zugemutet.

Das britische Verteidigungsministerium zahlt drei Frauen Entschädigungen in Höhe von jeweils 100.000 Pfund für Schäden am Becken und Rücken

weil sie bei Exerzier- und Marschierübungen wochenlang versuchten, mit der von der durchschnittlich deutlich größeren männlichen Mehrheit vorgegebenen Schrittlänge mitzuhalten.

Die maximal von Rekrutinnen zu fordernde Schrittlänge ist auf der Insel nämlich genau geregelt – knapp 70 Zentimeter. Gibt es solche Regelungen bei uns eigentlich auch? Und wie verhält sich das mit unterdurchschnittlich großen Männern?

Die Briten haben offiziell keinen Bock mehr, sowas wie einen Rechtsstaat zu simulieren: Erst wird der Lebensgefährte von Greenwald 9 Stunden am Flughafen festgehalten, befragt und bedroht. Dann erfahren wir, dass der GCHQ beim Guardian aufgelaufen ist und die Vernichtung der Snowden-Festplatten verlangt hat.

Derweil spricht bei uns Hans Magnus Enzensberger Klartext:

In jeder Verfassung der Welt steht ja ein Recht auf Privatsphäre, Unverletzlichkeit der Wohnung und so weiter… das sind ja lange Passagen. Das ist abgeschafft! Das heißt, wir befinden uns in postdemokratischen Zuständen.

Überraschung! Die britische Pornwall blockiert nicht nur Erwachsenenunterhaltung. Im Angebot sind außerdem:

Gewaltdarstellungen, extremistische und terroristische politische Inhalte, Webseiten zu Magersucht und Essstörung, Suizid-Webseiten, Alkohol, Rauchen, Web-Foren, esoterisches Material und Umgehungstools für Netzsperren.

Lacher am Rande: Das Filtersystem wird von der chinesischen Firma Huawei betrieben.

Wie neulich gelernt, saßen die Nazis auf einem zentralen Knotenpunkt des europäischen Kabelnetzes und lasen massenhaft Telegramme und Fernschreiben mit. Heute sitzen die Briten auf einem wichtigen Knotenpunkt des transatlantischen Internetverkehrs und lesen dort mit, allerdings in anderen Dimensionen: Das Programm heißt Tempora und liefert über 200 angezapfte Glasfaserkabel bis zu 21 Petabyte täglich, darunter 600 Millionen „telephone events“.

Ausgewertet werden die Daten von 550 Mitarbeitern bei GCHQ und NSA, Zugriff haben aber rund 850.000 Mitarbeiter. Und weil zu denen auch Edward Snowden gehörte, wissen wir jetzt davon. Außerdem sollen die USA auch das chinesische Mobilfunk- und Datennetz aufgemacht haben.

Die Briten kalkulieren für die Überwachung von Assange in der ecuadorianischen Botschaft täglich 12.700 Pfund. Insgesamt sollen bisher 2,9 Millionen Pfund zusammengekommen sein, umgerechnet 3,36 Millionen Euro. Britische Polizisten verdienen offenbar richtig gut, oder sollte der Geheimdienst ihrer Majestät etwa seine Doppelnull-Agenten für die Beobachtung abgestellt haben?

In Großbritannien haben verdeckte Ermittler für ihre Legenden die Identitäten von toten Kindern gestohlen. So richtig mit System in etwa 80 Fällen. Und wieder einmal wird unschuldige Literatur missbraucht:

The technique of using dead children as aliases has remained classified intelligence for several decades, although it was fictionalised in Frederick Forsyth’s novel The Day of the Jackal. As a result, police have internally nicknamed the process of searching for suitable identities as the „jackal run“. One former undercover agent compared an operation on which he was deployed to the methods used by the Stasi.

(via @annalist)

So ganz hat man auf der Insel das Konzept der Trennung von Kirche und Staat wohl noch nicht durchdrungen: Im britischen Oberhaus sind 26 Sitze fest für den Klerus reserviert.

Dazu passend fürs Archiv noch ein kürzlich entdecktes Zitat von Heinrich Heine:

In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.

Die britischen Konservativen erheitern uns mit einem Spendenskandal. Privates Abendessen mit den Camerons? Kein Problem:

Man müsse bloss […] eine Parteispende von mindestens 100 000, besser 200 000 Pfund, leisten, um «Teil des Systems» zu werden. Mit 250 000 Pfund sei man in der «Premier League» – dann ergäben sich die Dinge von selber.

Woran erinnert mich die Geschichte bloß?