Unsere Steuergelder bei der Arbeit: Für zwei Pilgerreisen unserer Bildungsministerin Annette Schavan zum Papst haben wir mindestens 149.000 Euro bezahlt, weil sie sich von der Flugbereitschaft der Bundeswehr nach Rom hat fliegen lassen. Und wenn ich solche Statements lese, befürchte ich, dass sie das tatsächlich für Dienstreisen hält:

Das Verhältnis von Glaube und Vernunft ist eine der Grundfragen schlechthin, und ich glaube, in der Universität des 21. Jahrhunderts wird Theologie auch immer mehr als Orientierungswissenschaft gefragt sein. Theologische Kompetenz wird in vielen anderen Berufen gefragt sein, und das Angebot des Studiums könnte wunderbar weiterentwickelt werden auf diese anderen Berufsfelder und Kompetenzbereiche und damit weit über Kirche hinaus ausstrahlen.

Bei solchen Leuten in der Regierung ist’s natürlich Essig mit der Trennung von Kirche und Staat, und wir werden für den Hokuspokus noch lange viel Geld rausschmeißen.

Spiegel Online veröffentlicht Zahlen aus einem neuen Buch, dem „Violettbuch Kirchenfinanzen“ von Carsten Frerk, wonach die Zahlungen des Staates an die beiden christlichen Kirchen noch üppiger ausfallen, als mir bisher bekannt war. So sollen sie neben der Kirchensteuer (9 Mrd. Euro) und den Zuschüssen für Caritas und Diakonie (45 Mrd. Euro) jährlich rund 19 Mrd. Euro direkt oder durch Steuerbefreiungen kassieren.

Im Rahmen der Diskussion im SPON-Forum bin ich dabei dann auf diesen interessanten Ansatz gestoßen. Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus, hier in der Kurzfassung:

1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!

2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!

3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!

5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche „Bestie“ Homo sapiens zeigen kann.

6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.

7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern.

8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!

9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!

10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz.

Es kommt zwar selten vor, aber dem, was die FAZ da von einem Gastbeitrag Christian Lindners vorab veröffentlicht, kann ich nur zustimmen:

Der FDP-Generalsekretär Christian Lindner beklagt, dass in der Integrationsdebatte „religiöse Werte bedeutsamer scheinen als republikanische.“ In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montagsausgabe) schreibt Lindner: „Das Christentum ist nicht die deutsche Staatsreligion, sondern ein persönliches Bekenntnis der Bürger.“ Tatsächlich reichten die Wurzeln unserer Verfassungsidee bis zurück nach Athen und Rom, ihre Prinzipien seien seit der Französischen Revolution erkämpft worden – „oft genug gegen den Widerstand der Kirchen.“

Der FDP-Generalsekretär fügt hinzu: „Die alten Prägekräfte von Religion und Nation lassen nach, neue kulturelle und kosmopolitische Einflüsse nehmen zu.“ Diese Vielfalt sei „ein Freiheitsgewinn, wenn wir die Frage nach der verbindenden Identität republikanisch beantworten: Menschen unabhängig von Herkunft, Glaube oder Geschlecht können als Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten am politischen Gemeinwesen teilhaben.“

Auch die Zahlungen des Staates an die christlichen Kirchen spricht er an. Ich wäre aber überrascht, wenn das auch zu konkreten politischen Forderungen führte.

muenzen_antik.300pxSaubere und ethische Geldanlagen – darauf ist man bei der katholischen Pax-Bank ganz besonders stolz. Und es ist ja auch begrüßenswert, wenn Anleger ihr Geld nicht nur mit dem Ziel der Profitmaximierung investieren. Allerdings hätte ich mir die Investitionen einer solchen Bank dann doch irgendwie anders vorgestellt:

Der Papst kritisiert Verhütungsmittel – die katholische Pax-Bank macht nach SPIEGEL-Informationen Geschäfte, die im Widerspruch dazu stehen. Das Geldhaus investiert in einen US-Pharmariesen, der Pillen zur Empfängnisverhütung produziert, außerdem in Rüstungs- und Tabakkonzerne.

(via)

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