Dass die Invasion des Irak völkerrechtswidrig ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Klar ist, dass Colin Powell vor der UNO gelogen hat, und der Irak nicht im Besitz von Massenvernichtungswaffen war. Die Niederländer haben das schon im Januar erkannt und auch bei den Briten gibt es einen Untersuchungsausschuss, dem wir spannende Äußerungen verdanken. So auch von der ehemaligen britischen Geheimdienstchefin Eliza Manningham-Buller:

Natürlich hatte Saddam Hussein nichts mit den Anschlägen vom 11.9. zu tun. Das wussten die Geheimdienste ebenso wie alle anderen. Hussein sei 2003 auch keine Gefahr gewesen, versicherte die Geheimdienstchefin. An den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, wie dies die Bush- und Blair-Regierung beschworen haben, habe niemand geglaubt.

Nun hat auch der britische Vizepremierminister Nick Clegg den Krieg als illegal bezeichnet und damit Krach in der Koalition riskiert. Allerdings kann man die banale Erkenntnis auch gar nicht oft genug wiederholen, weil uns unsere Volksverräter immer wieder mit der gleichen Propaganda in neue Angriffskriege treiben. Schließlich wird die Taktik auch gegenüber dem Iran gerade wiederholt, geradezu beispielhaft durch unsere Kanzlerin:

Beim entschlossenen Vorgehen gegen die Provokationen des Iran darf sich die internationale Gemeinschaft nicht spalten lassen. Nicht die Welt muss Iran beweisen, dass der Iran die Atombombe baut. Iran muss die Welt überzeugen, dass es die Atombombe nicht will.

Dabei weiß sie natürlich ganz genau, dass sich die Nicht-Existenz eines iranischen Atomwaffenprogramms nicht beweisen läßt. Aber das soll der Iran ja auch gar nicht, ebensowenig wie Saddam eine Chance bekommen sollte, die Invasion zu vermeiden. Bei der Invasion des Irak war Merkel nur noch nicht Kanzlerin – so viel Glück haben wir diesmal nicht.

http://www.youtube.com/watch?v=ROA0J6w18fI

Heute mal eine erfreuliche Nachricht: Eva Herman hat vor dem Kölner Oberlandesgericht einen Sieg gegen den Axel-Springer-Verlag errungen. Der Verlag darf nicht mehr behaupten, sie hätte die NS-Familienpolitik gutgeheißen und wurde außerdem zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt.

Wir erinnern uns: Nach einer Pressekonferenz zur Vorstellung ihres Buches „Das Prinzip Arche Noah – warum wir die Familie retten müssen“ wurde Herman unter Verwendung eines verkürzten und sinnentstellenden Zitats vorgeworfen, den Nationalsozialismus verharmlost zu haben. Trauriger Höhepunkt der medialen Kampagne war ein Auftritt bei Johannes B. Kerner am 9. Oktober 2007, bei dem sie letzlich publikumswirksam aus der Sendung geworfen wurde. Von Fernsehkritik.TV gibt es eine treffende Analyse zu dieser Sendung:

Der Dokumentarfilm von Steven Hutchings ist im Jahr 2006 als Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main entstanden und beleuchtet die Entwicklung der Medien- und Informationsarbeit der Bundeswehr vom Kalten Krieg bis heute hauptsächlich in Form interessanter Interviews. Dabei beeinflussen verschiedene Abteilungen sowohl die Informationsversorgung der eigenen Führung als auch der Öffentlichkeit – in den Einsatzländern und an der Heimatfront.

Diese ausführliche Zusammenfassung enthält weitere Details und gibt einen Überblick über die Interview-Partner.


(via)

keyboard_blue.300pxDas israelische Außenministerium will mit israel-freundlichen Kommentaren weltweit auf Webseiten den Kampf gegen das „palästinensische PR-Monster“ aufnehmen. Ob ein Etat von 150.000 $ allerdings ausreicht, um gegen die Reaktionen anzuschreiben, die sie täglich provozieren?

(via)

Update: Das läuft schon länger. Bereits seit Januar rekrutiert Israel eine „Army of bloggers“, um seinen PR-Krieg an der Blog- und Forenfront zu führen. Und mit welchen Techniken und Sprechblasen dabei gearbeitet wird, zeigt ein kürzlich an die Öffentlichkeit gelangter Kommunikationsleitfaden des Israel Project.

Bildnachweis:
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Bereits 1880 erwiderte John Swinton, ehemaliger Redaktionsleiter der New York Times, als Ehrengast eines Banketts anlässliches eines Toastes auf die unabhängige Presse:

Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.

Wie aktuell diese Einschätzung ist, beweist Tom Curley, Chef der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), der nun in einem Referat an der Universität von Kansas erklärte:

[…] dass die Bush-Regierung mit ihrem Militärapparat eine globale Propagandamaschine etabliert habe mit einem Budget von 4,7 Milliarden $ und 27.000 Mitarbeitern. Seine Agentur sei von hohen Militärs bedroht worden: man würde AP vernichten, wenn man dort an den journalistischen Grundsätzen festhalten würde. Journalisten, die versuchten, wahrheitsgemäss über Irak und Afghanistan zu berichten, seien schweren Repressionen unterworfen worden.