Jakob Augstein über Merkels Krieg. Die Lage scheint etwas unübersichtlich.

Wer will noch mal, wer hat noch nicht. In Syrien kämpfen im Moment – ohne Anspruch auf Vollständigkeit: die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien, Bahrain, Jordanien, die Nusra-Front, die Türkei, Hisbollah, Iran, die „Freie Syrische Armee“, mehrere kurdische Gruppen, die Syrische Armee und natürlich der „Islamische Staat“.

Aber da die Übergroße Koalition ja am Freitag schon das Mandat im Bundestag beschließen will, gibt’s da heute oder morgen bestimmt noch eine klärende UN-Resolution.

Die Türkei hat einen russischen Kampfjet an der Grenze zu Syrien abgeschossen. Angeblich soll er türkischen Luftraum verletzt haben, Russland bestreitet das.

Eine von türkischen Militär veröffentlichte Flugdatengrafik zeigt zumindest eins: die Behauptung man habe den russischen Jet innerhalb von fünf Minuten zehn Mal gewarnt, den türkischen Luftraum zu verletzen, kann so nicht stimmen. Zum Überfliegen der 3 km schmalen Stelle hätte er nur wenige Sekunden gebraucht.

Update:

Es sei ein „Routinevorgang“, dass mit hoher Geschwindigkeit fliegende Militärmaschinen kurzzeitig Grenzen überqueren […]. In diesem Falle hätten aber „keine schlechten Absichten“ vorgelegen, fügte er hinzu.

Oups, ‚tschuldigung – falscher Text. Das war ja der türkische Präsident Abdullah Gül vor drei Jahren nach dem Abschuss eines türkischen Jets durch Syrien. Völlig andere Situation.

Die EU ist not amused darüber, dass Russland es auch wagt, ein paar Politikern die Einreise zu verweigern.

Durch den Schritt würden „jegliche Anstrengungen behindert werden, einen konstruktiven Dialog für eine friedliche und anhaltende Lösung“ in dem Konflikt um die Ukraine zu finden, teilte Schulz mit.

Sanktionen und Einreiseverbote gegen Russland sind hingegen extrem förderlich für eine friedliche Lösung. Und die bald tagenden G7 waren auch mal die G8. Konstruktiver Dialog und so.

Um den Rubel steht es ja so schlecht, dass Apple den Verkauf in Russland zeitweise ausgesetzt hat. Nun sind die Geräte zwar mit 30% Aufpreis wieder zu haben, aber die Lage bleibt trotzdem ernst. Gut, dass die Russen auf einen echten Strategen vertrauen können, der entschlossen handelt und klare Priotitäten setzt. Und so nimmt sich Putin erstmal des drängenden Problems der Wodkapreise an.

Bei JP Morgan haben Hacker die Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mailadressen von rund 83 Millionen Kunden rausgetragen. Das lässt nur einen Schluss zu:

Die amerikanische Bundespolizei FBI hatte sich nach Bekanntwerden des Angriffs Medienberichten zufolge alarmiert gezeigt, dass möglicherweise russische Hacker dahinter stecken könnten. Das FBI untersuche, ob es sich um eine Vergeltungsaktion für die amerikanischen Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise handele […]

Die Lebenserwartung in russischen Gefängnissen ist höher als sonst in Russland, erklärt zumindest die staatliche Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Und die arbeitet offenbar gerade an einem neuen Image. Denn wo vor gut zwei Wochen auf der Website noch

It has retained its status of being the state central information agency.

zu lesen war, fehlt dieser Hinweis neuerdings in der Selbstdarstellung.

Russische Hacker sollen 1,2 Milliarden (!) Nutzernamen und Passwörter zusammengetragen haben, darunter alleine Zugangsdaten für 500 Millionen Postfächer. Das wäre eine beachtlliche Samlung bei geschätzten 2,5 Milliarden Internetnutzern weltweit – allerdings scheint mir auch eine gewisse Skepsis nicht unangebracht:

Einzelnen Nutzern will die Firma in den kommenden 60 Tagen einen „Identity Protection Service“ anbieten. Wer eine Voranmeldung für den Dienst ausfüllt, soll auch mitgeteilt bekommen, ob er von dem Diebstahl betroffen ist. Die Voranmeldung sei „kostenlos“ und „ohne Verpflichtung“, heißt es. Man darf davon ausgehen, dass der künftige „Service“ kostenpflichtig wird.

Den „Breach Notification Service“ für Seitenbetreiber gibt es hingegen jetzt schon, und zwar für schlanke 120 Dollar monatlich. Leicht verdientes Geld:

Please note that it is not intended to be a proactive monitoring service (also available); and notifications will only be sent if we come across relevant information in our regular research process.

Boah, ist mir übel. Heute morgen höre ich im Radio noch ganz erstaunt, dass die USA keine Hinweise auf eine direkte Beteiligung Russlands am Abschuss von MA17 haben – und damit geht dann die Propaganda erst richtig los:

Der Westen ist sich einig: Russland trägt eine moralische Mitschuld am Abschuss von Flug MH17. Wie soll man das Land strafen und zum Einlenken im Ukraine-Konflikt bewegen? Deutsche Politiker stellen nun die WM-Ausrichtung 2018 in Frage.

Hinter der Fichte zur Russland-Hetze in der ARD:

„Premier Rutte verlangte in einem Telefonat von Russlands Präsident Putin, dieser solle endlich für ungehinderten Zugang zur Absturzstelle sorgen.“ Der Absturzstelle in der Ukraine wohl gemerkt! Einerseits wirft der Westen – der den tödlichen Madain-Putsch finanziert und angeleitet hat – Putin Einmischung vor, ohne Beweise natürlich, andererseits soll Putin – natürlich rein rhetorisch gemeint – in der Ukraine für Ordnung sorgen. Ohne sich einzumischen. Wie soll man die westliche Hetze anders bezeichnen wenn nicht als „psychopathisch“?

Auch „MissInformation“ Golineh Atai muss ich mir merken. wink

Sotschi kostet mehr als alle bisherigen Winterspiele zusammen. Das ist wirklich mal sportlich. Zum Thema bringt arte nächsten Dienstag eine vielversprechende Doku:

Die Machtelite Russlands setzt um jeden Preis ein Projekt durch, das dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Die Realisierung der absurdesten Olympischen Spiele der Geschichte beruht auf der systemimmanenten Korruption in Russland, in der sich eine kleine politische Elite auf Kosten des Staatshaushalts und der einfachen Leute bereichert.

Der renommierte Dokumentarfilmer Alexander Gentelev arbeitet in „Putins Spiele“ neben dem Tragischen ganz bewusst das Absurde heraus. Er zeigt Sotschi 2014 als Farce, in der ein allmächtiger Herrscher sich langweilt und die Puppen tanzen lässt.

Florian Freistetter hat eine hochinformative Zusammenfassung zum gestrigen Meteor veröffentlicht. Wie immer einfach verständlich und wärmstens zur Lektüre empfohlen:

Momentan ist das folgende Szenario das wahrscheinlichste, um die Ereignisse in Russland zu erklären. Um 4 Uhr 20 mitteleuropäischer Zeit traf ein etwa 15 Meter großer Asteroid über der Region Tscheljabinsk auf die Atmosphäre der Erde. Er bewegte sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Kilometer pro Sekunde und traf die Erde in einem relativ flachen Winkel. In ungefähr 50 Kilometer Höhe begann das etwa 7000 bis 10000 Tonnen schwere Objekt auseinanderzubrechen. Vom Boden aus konnte man nun einen Meteor sehen. Er wurde schnell heller und die Lichterscheinung dauerte knapp 30 Sekunden. Die meiste Energie des Airburst wurde in 15 bis 20 Kilometer Höhe freigesetzt und entsprach einer Explosion mit einer Stärke von 300 bis 500 Kilotonnen TNT Äquivalent (die Atombombe von Hiroshima hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen TNT Äquivalent). Die Druckwelle des Airburst erreichte den Boden einige Sekunden bis Minuten später (deswegen hört man auf den Videos den Knall auch oft erst lange nach der Lichterscheinung).