Doch kein iranisch-stämmiger Nordkoreaner: zwei tschetschenische Brüder sollen für den Anschlag auf den Boston-Marathon verantwortlich sein. Die sind merkwürdigerweise in der Stadt geblieben und dann auch noch wegen Ruhestörung am MIT aufgefallen, anstatt sich zumindest bedeckt zu halten. Einer wurde auf der Flucht getötet, sein Bruder ist noch flüchtig.

Und für die Jagd auf ihn wurde ein Stadtteil Bostons komplett runtergefahren: kein ÖPNV, kein Privatverkehr, geschlossene Geschäfte und Schulen und die Aufforderung an alle, daheim zu bleiben während die Polizei den Stadtteil auf links dreht. Die „Ausgangssperre“ wurde später sogar auf die ganze Stadt ausgedehnt. In Hollywood dürften sich schon die ersten Drehbuchautoren die Finger wund tippen.

Bei einem Anschlag auf den Marathon in Boston wurden zwei Sprengsätze gezündet, die drei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt haben. Lernt denn heute niemand mehr, anständige Bekennerschreiben zu verfassen und seine Anschläge so zu timen, dass sie der Regierung nicht auch noch gelegen kommen? So könnte man fast meinen, jemand wollte Hinz und Kunz eine Blanko-Vollmacht geben, den Anschlag frei im Sinn der eigenen Agenda zu interpretieren und auszunutzen.

Update: Da lässt sich Hans-Peter Uhl natürlich nicht lange bitten.

Die Merkel-Bande bekennt sich jetzt offen zum Terror! Zumindest liest sich die Begründung für die Anschaffung von Kampfdrohnen …

Außerdem werden durch die Fähigkeit gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt und in ihrem Handlungsspielraum eingeengt.

… wie die Definition in der Wikipedia:

Der Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus.

Wer denkt sich sowas bloß aus? Seit Mohammed Attas Testament-im-Gepäck-Nummer scheinen es die Terroristen dieser Welt geradezu darauf anzulegen, dass niemand ihre Verlautbarungen findet, wenn sie denn Erfolg haben. So auch im Fall der Briefbombe an Ackermann:

Bei der Spurensicherung sei ein verstecktes, gerolltes Bekennerschreiben der „FAI – Federazione Anarchica Informale“ entdeckt worden, teilte das LKA am Donnerstag mit.

Als Terrorist hat man es nicht leicht: Da will man mit einer spektakulären Aktion auf die Ungerechtigkeit der Welt aufmerksam machen und mit Brandanschlägen auf Kabelschächte der Bahn am Montagmorgen für eine „Entschleunigung der Hauptstadt“ sorgen, da versaut einem doch der Staatstrojaner das ganze mediale Echo. Mist! Doch Glück im Unglück – wenn es gerade gut passt, kann man auch aus Nichts lange etwas machen:

Die Polizei geht davon aus, dass alle Brandsätze gleichzeitig von mutmaßlich linksextremistischen Tätern deponiert wurden und seitdem nach und nach entdeckt werden. Insgesamt handelt es sich bislang um mindestens 14 Brandsätze in der Hauptstadt und dem Umland. Die Polizei schloss nicht aus, dass es noch weitere, nicht entdeckte Sprengsätze gibt. Bislang konnten keine Täter gefasst werden. Verletzt wurde niemand.

Und da ist die Fortsetzung in den nächsten Tage ja schon angekündigt. Gäbe es keine Terroristen, man müsste sie als Politiker glatt erfinden.

Update: Tag 4.

6 Billionen Dollar soll der War on Terror alleine die USA in den 10 Jahren seit 9/11 gekostet haben, hat ein österreichisches Wirtschaftsmagazin hochgerechnet. Und so wirkt sich das aus, wenn da ein waschechter Friedensnobelpreisträger das Ruder in die Hand nimmt:

Von 2009 auf 2010 haben sich die monatlichen Kriegsaufwendungen von zirka 4,4 Milliarden auf 6,7 Milliarden Dollar erhöht.

Auch wenn man es ob der permanenten Medienpräsenz von Christian Pfeiffer kaum glauben mag: Es gibt wohl noch weitere Kriminologen in Deutschland – zumindest einen. Und der, Rudolf Egg, hört sich dann auch gleich ganz anders an:

Man fühlt sich im Internet in Emotionen, Einstellungen und politischen Ansichten nicht mehr so allein. Das Internet macht aber niemanden einfach so zum Kriminellen oder zum Terroristen.

Gestern explodierte im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe, kurz danach verübte ein Mann ein Massaker in einem wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernten Sommerferienlager der Arbeiterpartei. Natürlich dauerte es nicht lange, bis die ersten „Terror-Experten“ völlig belegfrei  über einen möglichen islamistischen Hintergrund fabulierten. Nun stellt sich heraus: Der mutmaßliche Täter ist tatsächlich ein religiöser Fundamentalist, allerdings ein christlicher. Wofür genau war dieser religiöse Unfug noch mal gut?

Die USA wollen Osama Bin Laden in Pakistan erschossen haben. Und weil ihnen die muslimischen Traditionen bekanntermaßen sehr am Herzen liegen – einfühlsam unter Beweis gestellt beispielsweise in Abu Ghraib und Guantanamo – hat man seinen Leichnam gleich im Meer bestattet.

Dass sich die Geschichte nun nicht mehr überprüfen lässt, hat bei der Entscheidung bestimmt keine Rolle gespielt. Wieso sollte uns die US-Regierung auch anlügen, wenn es um den Tod Bin Ladens geht?

Update: Und was hält unsere Kanzlerin von Bin Ladens Hinrichtung?

Heute Nacht haben die Kräfte des Friedens einen Erfolg errungen.

Ja, so bewirbt man sich heutzutage für den Friedensnobelpreis. Und für Forderungen nach Verschärfungen der Terrorgesetze wird die Nachricht natürlich auch gleich ausgenutzt.

In den kürzlich geleakten Guantanamo-Akten wird nicht nur dokumentiert, dass viele Unschuldige nach Guantanamo verschleppt wurden, sondern auch der Fall eines algerischen al-Qaida-Kämpfers, der mit dem britischen und dem kanadischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben soll: Adil Hadi al Jazairi Bin Hamlili werden Bombenanschläge auf zwei christliche Kirchen und ein Luxushotel in Pakistan 2002 zur Last gelegt.

Das berichtet der Guardian, der auch eine übersichtliche Animation zu den Akten erstellt hat. Mindestens 123 Insassen verdanken ihren Kuba-Aufenthalt übrigens einem einzigen fleißigen Informanten.

(via)

In Schweden sind die Terroristen auch nicht cleverer als bei uns: Denn auch dort scheitern sie offenbar in erster Linie an sich selbst – das aber immer zum rechten Zeitpunkt, um ihren Gegnern einen Gefallen zu tun. Aktuell hat ein Mann in Stockholm zwei Bomben zur Explosion gebracht, deren Opfer er selbst und das von ihm abgestellte Auto waren. Ob das allerdings ausreicht, um von WikiLeaks und Julian Assange abzulenken?

Pünktlich zur Innenministerkonferenz wird wieder fleißig Terrorpanik geschürt, was seine Wirkung leider nicht verfehlt. So zum Beispiel bei Hans-Peter Uhl (CSU):

Wer sich jetzt noch gegen die Vorratsdatenspeicherung wehrt, hat die Bedrohungslage nicht verstanden.

Wenn ein Terrorist erst einmal mit einer Bombe auf dem Bahnhof steht, ist es zu spät.

Der absolute Knaller ist allerdings ein verdächtiges Paket, das in Namibia auf eine Passagiermaschine nach München verladen werden sollte:

Beim anschließenden Durchleuchten der Laptoptasche seien Batterien sichtbar geworden, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden gewesen seien, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. […] Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, es sei noch unklar, ob es sich um einen Sprengsatz handle.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters war auf dem verdächtigen Gepäckstück ein Zettel mit dem Wort „Test“ angebracht.

Aber wer jetzt herzhaft lacht und meint, das sei doch alles wieder nur billige Propaganda, wird von Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) eines Besseren belehrt:

Die Gefährdungslage sei stärker als 2009, dieses Mal gehe es nicht um Propaganda.

Danke, keine weiteren Fragen!

Die US-Armee baut ein geheimes Terrornetzwerk auf. Offiziell hört sich das natürlich anders an, aber so klingt es für mich, wenn ich lese, dass die USA in geheimen Operationen zukünftig bei Freund und Feind im Mittleren Osten, Zentralasien und am Horn von Afrika verstärkt Informationen sammeln und Bündnisse mit lokalen Kräften schmieden wollen. Hierbei geht es neben dem obligatorischen Kampf gegen Al-Qaida auch um die Vorbereitung von Militärschlägen – zum Beispiel gegen den Iran. Und Grundlage des ganzen ist lediglich eine geheime Direktive des für die Region zuständigen Generals David Petraeus. Das Praktische daran:

Im Gegensatz zu herkömmlichen Geheimdienstoperationen bedarf der Einsatz der Militär-Spezialeinheiten laut der Zeitung keiner Extra-Erlaubnis des Präsidenten. Auch regelmäßige Berichte an den Kongress seien nicht vorgesehen. Laut Beamten des Verteidigungsministeriums müsse aber in kritischen Fällen der Nationale Sicherheitsrat im Weißen Haus zusammenkommen.