Fraunhofers entwickeln eine App, die ein Smartphone zum Spektrometer macht. Dabei wird das zu untersuchende Objekt vom Display mit verschiedenfarbigem Licht beleuchtet und die Reflexion über die Kamera gemessen, um die chemische Zusammensetzung zu analysieren.

Sie soll auch feststellen können, ob Äpfel oder Salatköpfe wirklich Bioprodukte sind oder Rückstände von Pestiziden aufweisen, wie frisch Fleisch von der Wursttheke ist, ob ein Pflanze krank ist, obwohl sie noch gesund aussieht, welches Pflegeprodukt die Haut des Smartphonebenutzers gerade nötig hätte und einiges mehr.

(via Kraftfuttermischwerk)

Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat kürzlich einen umfangreichen Bericht namens „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“ veröffentlicht. Untertitel: „Die Tricks von Monsanto und der Beitrag der Behörden, um Glyphosat vor einem Verbot zu retten“. Allerdings gibt es nur eine deutsche Zusammenfassung, der Report (PDF) ist in Englisch verfasst.

Das kam (wahrscheinlich nicht zufällig) vor der morgigen Jahreshauptversammlung von Bayer, für die die Aktionäre hinsichtlich der geplanten Übernahme von Monsanto schon mal großen Gesprächsbedarf angemeldet haben.

Auf die Studie bin ich über einen Artikel bei Telepolis mit dem Titel „Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit“ gestoßen. Schöner Begriff.

Der Goldesel unter den Pflanzenschutzmitteln soll 2019 neun Milliarden Euro ausspucken – 2012 belief sich die weltweite Nachfrage noch auf fünf Milliarden Euro.

Dass uns 2016 (mal wieder) einen neuen Temperaturrekord beschert hat, habt ihr sicherlich mitbekommen. Die New York Times hat dazu eine interessante und mir neue Form der Visualisierung mit den globalen Durchschnittstemperaturen seit 1880.

Screenshot: https://www.nytimes.com/interactive/2017/01/18/science/earth/2016-hottest-year-on-record.html

Wie leicht sich unsere Erinnerung manipulieren lässt, zeigt ein Versuch, bei dem Menschen Werbung gezeigt wurde, die die Möglichkeit versprach, Bugs Bunny in Disneyland die Hand zu schütteln. 16% der Probanden „erinnerten“ sich danach tatsächlich an das unmögliche Ereignis. (Unmöglich, weil Bugs Bunny keine Walt-Disney-Figur ist.) Dafür reichte eine einfache Anzeige!

Und nun stellen wir uns mal die Wirkung einer konsequent von einer Vielzahl „unabhängiger“ Politiker, Experten und Medien vorgetragenen Desinfo vor. sad

Philip Tetlock hat mehr als zwanzig Jahre lang die Vorhersagen von Experten analysiert. Dafür hat er mehr als 82.000 Expterteneinschätzungen zum Eintreten verschiedener Szenarien für die Zukunft gesammelt und mit anderen Vorhersagen verglichen. Das überraschende Ergebnis: die „Experten“ haben keine Ahnung. Und je weniger Ahnung sie haben, desto wahrscheinlicher dürfen sie diese in den Medien verbreiten. Aus dem Lexikon:

Diese Vorhersagen wurden mit der Realität sowie mehreren anderen Vorhersagen von einfachen statistischen Modellen, uninformierten und informierten Laien verglichen. Die Experten schnitten kaum besser ab als informierte Laien und jede Gruppe schnitt schlechter ab als einfach [sic!] Regeln und Modelle. Innerhalb der Experten konnte Tetlock immerhin eine Gruppe von Experten identifizieren, die besser als eine zweite Gruppe von Experten abschnitt: In Anlehnung an Isaiah Berlin waren die Füchse mit ihrem agilen, breiten Wissen den monothematischen Igeln überlegen, wenngleich beide Gruppen einfachen statistischen Modellen unterlagen. Laut Tetlock seien Igel in den Medien jedoch eher gefragt als Füchse.

Zwei Nachrichten aus dem Tierreich: Auch Ameisen nutzen Werkzeuge. Forscher hatten ihnen verschiedene Hilfsmittel zum Transport von Honig und Flüssigkeiten angeboten. Die haben sie ausgetestet und kleine Schwammstückchen für besonders gut befunden. 

Außerdem: Menschenaffen, Delphine und Makaken können die Zuverlässigkeit ihrer Erinnerungen beurteilen

Sie überspringen schwierige Aufgaben in einem Gedächtnistest, sammeln bei Bedarf mehr Informationen, bevor sie eine Aufgabe angehen, oder spielen mit höheren Einsätzen, wenn sie sicher sind, eine Aufgabe richtig lösen zu können.

Schlechte Nachrichten für Veganer: Auch Schleimpilze sind zu kognitiven Leistungen fähig. Neben dem Finden des kürzesten Weges zwischen zwei Punkten soll Physarum polycephalum auch

Optimierungsprobleme lösen, die kürzesten Netzwerke finden, wiederkehrende Ereignisse antizipieren und seine Schleimspur als externes Gedächtnis verwenden können, um nicht an Orte zu gehen, die er bereits besucht hat. Und er soll ähnliche Entscheidungsfindungen wie in Gehirnen treffen können, aber auch zu irrrationalen ökonomischen Entscheidungen wie Menschen, Stare oder Honigbienen tendieren und bei schwierigen Problemen abwägen zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit.

Ich finde das cool. Nicht nur, dass wir immer mehr Leben an den abgefahrensten Orten finden. Das Leben, das wir schon kennen, kann auch immer noch ein bisschen mehr, als wir schon dachten.

Intro- und Extraversion hirnphysiologisch erklärt:

Introvertierte, so die Entdeckung, sind häufig auch dann neuronal stimuliert, wenn sie keine Reize von außen empfangen. Wegen dieser von Natur aus höheren Gehirnaktivität haben die Stillen offenbar ein stärkeres Bedürfnis, sich gegen Reizüberflutung abzuschirmen.

Der grundlegende Unterschied beider Gehirne wird hier hier näher erläutert:

Auf der Flucht und bei der Jagd wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Schnelligkeit ist bei beidem Trumpf, also aktiviert Dopamin kaum mehr als die zur Verarbeitung von Sinneseindrücken nötigen Bereiche.

Um abends am Lagerfeuer und in Ruhe das Ergebnis der Jagd auszuwerten, werden dann weitere Bereiche benötigt, um sie mit früheren zu vergleichen, zu bewerten, Fehler und neue Ideen zu finden und Pläne zu entwickeln. Die aktiviert Acetylcholin.

Soweit funktionieren introvertierte und extrovertierte Gehirne gleich. Der Unterschied liegt im Belohnungssystem: Der Extrovertierte braucht ordentlich Dopamin, der Introvertierte hat davon schnell zuviel und braucht dann seine Ruhe. Dafür spricht er aber auch auf Acetylcholin an und kann sich damit belohnen, sein Gehirn zu beschäftigen.

Weitere Erkenntnisse in Cartoons und mit Quellen bei Bored Panda.

Wissenschaftler arbeiten an der Nutzung von DNA als Datenspeicher. Es locken eine Halbwertszeit von über 500 Jahren und eine enorme Datendichte:

Pro Kubikmillimeter könne Desoxyribonukleinsäure ein Exabyte an Daten speichern – eine Milliarde Gigabyte. Optische und magnetische Speicher in den Labors kommen derzeit bestenfalls auf 100 Gigabyte pro Kubikmillimeter.

Das ist natürlich noch Grundlagenforschung fernab jeder praktischen Nutzung. Trotzdem liebe ich sowas.

Planet 9: Die Ursache für ein periodisches Massensterben auf der Erde?

Es war nur eine Frage der Zeit. Irgendwann musste jemand die Verbindung zwischen dem vermuteten (nicht entdeckten!) Planeten im äußeren Sonnensystem und dem Weltuntergang herstellen. Die Pseudowissenschaftler und Esoteriker haben das natürlich schon recht schnell getan, aber nun haben sich auch seriöse Wissenschaftler mit dieser Frage beschäftigt. Und dabei die zu erwartenden Schlagzeilen in allen Medien erzeugt…

[Astrodicticum Simplex]

Schach kann Demenz vorbeugen

Entsprechend haben Ärzte am Albert Einstein College of Medicine in New York herausgefunden, dass Schachspielen dem Morbus Alzheimer oder anderen Demenzformen vorbeugt – mit alleinig körperlichen Aktivitäten, so gut diese auch sein mögen, gelang dies nicht. Das „New England Journal of Medicine“ (2003) berichtet von den Versuchsergebnissen von Prof. Joe Verghese, wonach Schach das Risiko einer Demenz um 74 Prozent vermindern kann.

[Ärzteblatt]

Medikamentenstudien in der DDR: Westliche Pharmafirmen testeten massenhaft Arzneien an Ost-Patienten

Westliche Pharmahersteller haben in DDR-Kliniken in großem Stil Medikamente testen lassen. Von 1961 bis 1990 habe es Hinweise auf bis zu 900 klinische Tests gegeben, heißt es im Abschlussbericht eines Forschungsprojekts unter Leitung des Medizinhistorikers Volker Hess, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Allein für die 80er Jahre wurden 321 Studien nachgewiesen.

[Spiegel Online]

Die Probanden waren wohl mehrheitlich informiert, bekamen Sonderurlaub und erhofften sich wirksamere Medikamente aus dem Westen.

Zahlen, bitte! 300 Arten von Organismen auf der ISS

Seit ihrer Inbetriebnahme hat die ISS nicht nur 221 Menschen Unterschlupf gewährt – sondern auch einer Vielzahl an Tieren, darunter Mäusen, Spinnen, Ameisen und Zebrafischen. Doch eine Vielzahl der Mitbewohner bleibt unsichtbar: die rund 300 Gruppen von Organismen, die buchstäblich per Anhalter ins All gereist sind. Pilze und Keime gelangen mit den Frachtern, die Nachschub und Ausrüstung bringen, an Bord. Dagegen können auch sorgfältige Desinfektion und strenge Hygiene-Richtlinien nichts ausrichten.

[Heise]

Forschungsmission „ExoMars“: Reiseziel rot

Der Flug ist riskant, etliche Sonden verglühten schon oder zerschellten. Europa und Russland wagen jetzt trotzdem eine Marsmission – sogar mit einer Landung auf dem Roten Planeten.
[Spiegel Online]

Der Start ist morgen vorgesehen, die Ankunft am Mars im Oktober.

Update: Florian Freistetter hat mehr Details.