Ein Literaturhinweis für Tatort-Fans:

„Wir haben 500 der rund 900 Folgen nach bestimmten Kriterien untersucht und die Ergebnisse durch eine Datenbank statistisch auswertbar gemacht“, sagt Scherer, der zu Hause jede Folge im Schrank stehen hat. Untersucht wurden thematische Aspekte wie etwa die Rolle des Extremismus, der Religion, der Figurendarstellung, die Logik der Polizeireviere, aber auch Bildästhetik, Kameraarbeit und erzählerische Qualität. Die detaillierten Ergebnisse erscheinen im Oktober in Form zweier Bücher („Zwischen Serie und Werk“ von Claudia Stöckinger (Hg.), erschienen bei Transscript, und „Föderalismus in Serie“ von Stefan Scherer u. a., Wilhelm Fink Verlag).

Hinter der Fichte zur Russland-Hetze in der ARD:

„Premier Rutte verlangte in einem Telefonat von Russlands Präsident Putin, dieser solle endlich für ungehinderten Zugang zur Absturzstelle sorgen.“ Der Absturzstelle in der Ukraine wohl gemerkt! Einerseits wirft der Westen – der den tödlichen Madain-Putsch finanziert und angeleitet hat – Putin Einmischung vor, ohne Beweise natürlich, andererseits soll Putin – natürlich rein rhetorisch gemeint – in der Ukraine für Ordnung sorgen. Ohne sich einzumischen. Wie soll man die westliche Hetze anders bezeichnen wenn nicht als „psychopathisch“?

Auch „MissInformation“ Golineh Atai muss ich mir merken. wink

Zur kürzlich über der Ukraine abgestürzten oder abgeschossenen MH17 sammelt eine Pilotin auf den ScienceBlogs Fakten und Berichtigungen zur allgemeinen Berichterstattung. Erfreulich unpolitisch, aber auch nicht ohne Raum für handfeste Verschwörungstheorien:

Am 18.7. veröffentlichte Malaysian Airlines eine Liste der Nationalitäten der Passagiere an Bord und korrigierte die ursprünglich veröffentlichte Zahl um 3 auf 298: 189 Holländer, 44 Malaysier, 27 Australier, 12 Indonesier, 9 Briten, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner, 1 Canadier, 1 New Zealander and 4 mit unbekannter Staatsbürgerschaft.

Wie geht denn das?

Update: Man sagt ja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Stimmt. (Danke, Andreas)

Update: Volker hat Fracht- und Passagierlisten, und da gibt es keine ungeklärten Nationalitäten.

Was der Bundestag während der WM alles durchjubelt erfahren wir beim Deutschlandfunk leider nicht. Trotz des Verweises auf die „Errungenschaften“ vergangener Welt- und Europameisterschaften und der Information, dass die Haushaltsdebatten heuer wohl etwas weniger intensiv ausfallen, weil abends noch Deutschland spielt, gibt es absolut keinen Grund zur Sorge. Weil die Abgeordneten sowieso alle viel lieber Fußball gucken als sich gegen uns zu verschwören – und überhaupt: bis die WM richtig spannend wird, ist im Bundestag eh schon alles gelaufen. Peinlich, peinlich, liebes Deutschlandradio.

Volker Bräutigam hat beim NDR-Rundfunkrat wegen der desinformierenden Berichterstattung zur Ukraine Beschwerde eingelegt. Konkret geht es ihm hauptsächlich um die angeblichen „OSZE-Beobachter“, schon deswegen lohnt die Lektüre der detaillierten Begründung. Wi-der-lich, was uns da wieder auf breiter Front zugemutet wird. (via NachDenkSeiten)

Die ARD hat Jörg Kachelmann zu einer Talkshow mit dem Thema „Gesellschaftsspiel Klatsch“ eingeladen. Und der hat auf seinem Blog öffentlich und deutlich abgesagt:

Diese Feigheit vor der Unschuld ist mitverantwortlich für meine heutige Situation. Manche Menschen denken: Welcher Arbeitgeber würde einen langjährigen Mitarbeiter fallenlassen, wenn da nichts dran wäre. Das ist zwar eine falsche Kombination, denn die Menschen kennen nicht wie ich die Voraussetzungen, die man haben muss, um in der ARD nach ganz oben zu kommen: Feigheit, Mittelmässigkeit, Verschlagenheit und eine sabbernde Lust, auch irgendwie zu den Grossen dazuzugehören, können nicht schaden – das heutige Programm der Mut- und Lustlosigkeit ist ein treues Abbild. Damit zusammenwächst, was zusammengehört, sind Bild und Bunte dabei, wenn Jauch einen Weinberg hat, Pilawa in Afrika ist und Hofer einen Käfer hat.

(via >b’s weblog)

Alt aber gut. Amerikaner wurden nach ihrem Nachrichtenkonsum befragt und mussten Fragen zur Tagespolitik beantworten. Das Ergebnis: Menschen, die gar keine Nachrichten konsumierten, waren immer noch besser informiert als die Zuschauer von Fox News. Wer sich statt dessen die Welt von MSNBC und CNN erklären ließ, war auch nur marginal besser dran. Ich wünsche mir so eine Untersuchung auch für deutsche Medien.

Manchmal sehe ich eine BILD am Kiosk und schaffe es mir einzureden, dass auch andere dieses Blatt eher als Satire sehen. Dass es niemanden gibt, der das wirklich ernst nimmt. Und dass die meisten Leser echt nur den Sportteil überfliegen. Das sind schöne, unbeschwerte Momente. Und dann kommt das BILD-Blog und zeigt, wie die Leute so drauf sind, die sich dort tatsächlich ihre Meinung bilden. Teilweise dürfte das sogar strafrechtlich relevant sein.

Unsere Gebühren bei der Arbeit: Nachdem es letzte Woche bei Jauch für die Kirchen nicht ganz so gut lief, bekommen sie jetzt eine zweite Chance – ohne nervige Gegenstimmen: sechs überzeugte Christen dürfen bei Jauch über die „Nähe der Kirchen zu den Menschen“ diskutieren. Na was für ein Glück, dass die bei uns in den Rundfunkräten sitzen.

Andererseits birgt das natürlich die Chance, dass sie sich unter sich noch mehr als üblich blamieren. Schließlich ist keiner da, der sie bremsen kann.

„Die Mutter der Dummen ist immer schwanger“ habe ich neulich irgendwo gehört. Und da muss wohl was dran sein, wenn ich lese, dass hierzulande fast jeder Zehnte die nunmehr siebte Internierung von angeblichen Promis im Dschungelcamp gesehen hat. Ein schöner Service für alle, die von den Dschungelbewohnern noch nie etwas gehört haben: SpOn schildert deren Leidensgeschichten samt Therapiezielen und Sozialprognose. Und mehr muss man dazu dann auch nicht wissen.