Es gibt ja Leute, die sich irgendwie sicher damit fühlen, einen „alten Knochen“ als Handy zu nutzen und nur Kurznachrichten statt Mails zu versenden. Dumm gelaufen, die NSA schnorchelt täglich auch 200 Millionen SMS ab:

Mit „Dishfire“ lassen sich laut „Guardian“ aus den SMS Informationen über Reisepläne, Adressbücher und Kontobewegungen filtern. Die Benachrichtigungen über entgangene Anrufe geben Auskunft über den Bekanntenkreis des Handy-Nutzers. Die beim Netz-Wechsel (Roaming) automatisch verschickten SMS zeigen, wo er unterwegs ist.

Neuer Snowden-Leak: Die NSA trackt täglich die Positionsdaten von mehreren 100 Millionen Smartphones. Macht schlanke 27 TB jeden Tag:

Diese Daten können wunderbar zur Industriespionage verwendet werden, oder um Politiker-Netzwerke zu überwachen. Mit wem trifft sich wann und wo Angela Merkel? Und wo reisen die Siemens-Manager mit ihren Smartphones hin, um neue Deals mit wem zu machen?

Im letzten Jahr hat alleine das Bundesamt für Verfassungsschutz 864 Datensätze an die NSA weitergeleitet, man trifft sich außerdem wöchentlich. Und weil so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt und weiter entwickelt werden will, testet das Bundesamt auch gerade den Einsatz von XKeyscore:

Sollte das Programm in den Regelbetrieb gehen, hat sich das BfV den Unterlagen zufolge verpflichtet, alle Erkenntnisse mit der NSA zu teilen. Das hatte der Präsident des Bundesamtes, Hans-Georg Maaßen, seinen US-Kollegen bei zwei Besuchen im Januar und Mai diesen Jahres zugesichert.

Zum Glück können wir bei der bevorstehenden Bundestagswahl für eine Abschaffung der Geheimdienste stimmen.

BND und Verfassungsschutz nutzen eine NSA-Schnüffelsoftware namens XKeyscore, und damit wurden in einem Monat 180 der 500 Millionen deutschen NSA-Datensätze gesammelt. Da gibt’s dann auch ein Fleißsternchen aus Fort Meade:

„Der BND hat daran gearbeitet, die deutsche Regierung so zu beeinflussen, dass sie Datenschutzgesetze auf lange Sicht laxer auslegt, um größere Möglichkeiten für den Austausch von Geheimdienst-Informationen zu schaffen“, notierten NSA-Mitarbeiter im Januar. Im Lauf des Jahres 2012 habe der Partner sogar „Risiken in Kauf genommen, um US-Informationsbedürfnisse zu befriedigen“. In Afghanistan sei der BND in Sachen Informationsbeschaffung sogar „fleißigster Partner“.

Zunächst war ich ja auch etwas besorgt, wegen Totalüberwachung des Internets und so. Aber zum Glück hat mir unser oberster Bürgerrechtler und Bundespräsident nun die Augen geöffnet:

Wir wissen zum Beispiel, dass es nicht so ist wie bei der Stasi und dem KGB, dass es dicke Aktenbände gibt, in denen unsere Gesprächsinhalte alle aufgeschrieben und schön abgeheftet sind. Das ist es nicht.

Puh, dann ist ja noch mal alles gut gegangen. Und es kommt noch besser: so schlimm kann es nämlich gar nicht kommen, weil dafür weder das Papier noch der Platz für die Aktenschränke ausreicht. Wirklich ein begnadeter Kabarettist, dieser Gauck.

PRISM: Amerikanischer Geheimdienst NSA hat direkten Zugriff auf alle Daten der großen Internet-Unternehmen. Schlägt schon seit ein paar Tagen hohe Wellen, aber fürs Archiv wollte ich den den Artikel hier noch verlinken.

Und bei aller berechtigter Sorge gibt es auch ja eine gute Nachricht: für die meisten Länder interessiert sich die NSA gar nicht. Die schlechte: Deutschland gehört nicht dazu.

president's_surveillance_programDas hat realsatirische Züge: Heise berichtet über einen kürzlich vorgelegten und teilweise veröffentlichten Untersuchungsbericht zum geheimen NSA-Überwachungsprogramm:

Das von der Bush-Regierung im Umfeld des 11. September 2001 gestartete und angeblich teils weiter aktive heimliche Überwachungsprogramm der National Security Agency (NSA) war zu geheim, um im Rahmen der Terrorismusbekämpfung eine effiziente Rolle zu spielen.

Und weiter:

Mit der von der Bush-Regierung immer wieder betonten Effektivität der Überwachung der gesamten Telekommunikation ist es dem Report zufolge nicht weit her. Die meisten dafür befragten Geheimdienstmitarbeiter räumten gegenüber den Kontrolleuren ein, dass sie „Schwierigkeiten“ hätten, konkrete Fälle zu nennen, in denen das ausufernde Programm zum Abhören von internationalen Telefonaten oder zur Auswertung von Verbindungsdaten ohne richterliche Anordnung zu einem Erfolg im Kampf gegen Terroristen beigetragen habe.