Sehr lesenswerter Beitrag zur Entgenderung der Sprache, anlässlich der jüngsten Änderungen am Text der StVO: Wer zu Fuß geht – Feministische Sprachmagie. Spannenderweise gibt es Sprachen, die gar kein Genus-System haben und unsere Probleme damit folglich nicht kennen. Gewissermaßen sprachliche Biotope femininer Freiheit und Emanzipation:

Armenisch (Armenien), Assamesisch (Bangladesch), Georgisch (Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Griechenland, Iran, Russland, Türkei), Persisch (Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Bahrain, Irak), Zentral- und Südkurdisch (Iran, Irak), Malaiisch (Indonesien)

Heißen die Bewohner Zyperns nun eigentlich Zyprer oder Zyprioten? Der Duden kennt beides, üblich ist aber heute die Bezeichnung Zyprer für die Einwohner und das Adjektiv zyprisch. Zyprioten ist die alte Bezeichnung der griechischstämmigen Insulaner. Dass sie bei uns noch immer so verbreitet ist, könnte unter anderem das Ergebnis mangelhafter Übersetzungen sein: im Englischen heißen die Einwohner Zyperns nämlich Cypriots.

Ein sehr lesenswerter Beitrag zur Diskussion um die politisch-korrekte Umdichtung alter Kinderbücher: Sollen wir Pippi verbrennen?

Die Vorstellung, Wörter trügen Schuld und ihr Ausmerzen könne diese Schuld tilgen, ist magisches Denken in Reinform. Die politische Korrektheit ist in diesem Sinne eine moderne Form der Geisteraustreibung. Sie versucht, die bösen Geister des Rassismus, des Sexismus, und überhaupt jedes falschen Bewusstseins auszutreiben, indem sie ihre Träger, die Wörter, ausmerzt und so die Welt besser macht. Und offenbar schämt sich niemand für so viel naive Einfalt.

Spannender Artikel darüber, wie die Sprache unser Denken und unsere Vorstellungen von Zeit, Raum und Kausalität beeinflusst:

[A]uf Kuuk Thaayorre werden immer Himmelsrichtungen verwendet. Darum sagt man etwa „Die Tasse steht südöstlich vom Teller“ oder „Der südlich von Maria stehende Knabe ist mein Bruder“. Um sich in Pormpuraaw verständlich auszudrücken, muss man daher immer die Windrose im Kopf haben.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Stephen C. Levinson […] und John B. Haviland […] nachgewiesen, dass Menschen, die Sprachen mit absoluten Richtungen verwenden, auffallend gut in unbekannten Gegenden oder Gebäuden zurechtkommen. Sie orientieren sich besser als Personen, die dort zu Hause sind, aber nicht solche Sprachen sprechen – ja sogar besser, als die Forscher dies für menschenmöglich gehalten hatten.

Noch ein Kandidat für das Wörterbuch ververbter Politiker: „hevelingen: wild über etwas schwadronieren, wovon man keine Ahnung hat“. Erworben hat sich diese Ehre Ansgar Heveling – im Bundestag für die Schwarze Pest und unglaublicherweise auch noch Mitglied der „Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft“ – gestern mit einer unterirdischen Kriegserklärung an die Netzgemeinde.

Sehr lesenswerte Repliken haben Frank Rieger und Udo Vetter verfasst, und eine angemessene Vertonung als Büttenrede gibt es auch schon. wink

Amüsant sind auch viele #hevelingfacts bei Twitter, von denen Netzpolitik eine schöne Sammlung hat:

Im Internet führen digitale Maoisten regelmäßig satanistische Hinrichtungen und rituelle Opferungen durch. #Hevelingfacts @noujoum

Wenn es heute Abend bei Jauch heißt: „In aller Freundschaft – Wie viel ‚Wulffen‘ ist in Ordnung?“, wird zunächst nicht ganz klar, worum es eigentlich gehen soll. Zu viele Bedeutungen hat der Neologismus „wulffen“ mittlerweile erfahren.

Zunächst einmal das naheliegende unfreundliche Volltexten (eines Anrufbeantworters). Dann das offensichtliche Herumlavieren um die Wahrheit, ohne dabei als Lügner dastehen zu wollen. Und spätestens seit letztem Sonntag auch das „Mitnehmen ohne zu bezahlen“, so definiert bei Jauch von Karl Lauterbach – und dabei ging es da noch nicht einmal um El Presidente.

Egal ob Fernsehen oder Straßenbahn: kein Tag, ohne dass irgend jemand einen mehr oder weniger gelungenen Wulff-Witz zum Besten gibt. Ein Dessous-Hersteller wirbt wohl auch schon damit, dem „lieben Christian“ zeigen zu wollen, was Transparenz bedeutet.

Es gab eine Zeit, da konnte sich Zensursula nicht mehr öffentlich blicken lassen, ohne von Transparenten empfangen zu werden. Wer weiß, wie lange Wulff das entwürdigte Amt des Bundespräsidenten davor noch schützt. Um sich dennoch als Vetreter der Deutschen zu begreifen, muss man wohl Berufspolitiker sein.

Update: Hier gibt es die Dessous-Werbung und drei weitere Anzeigen mit Wulff-Motiven.